Montag 28. März 2016

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Living in Paradies

Zu den meditativen Schwarzaquarellen“ von Joachim Bandau

, Katja Blomberg

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Né en 1936 à Cologne, Joachim Bandau appartient à la génération d’artistes qui, avec Richard Serra, Donald Judd, Dan Flavin ou encore Sol LeWitt, ont prôné la forme pour la forme. Formé à l’Académie des Arts de Düsseldorf de 1957 à 1961, il est également avec Carl André un des référents de la sculpture de sol. En 1977, il est présenté à la Documenta 6 à Kassel et en 1986 reçoit, le Prix Will Grohmann de l’Académie des Arts de Berlin.

Wenn alle Türen sich öffnen, alle Abgründe der Angst überwunden sind und jedes subjektive Verlangen ausgeschaltet ist, wenn der Blick klar wird, wie ein Bergsee im Frühling, die Gedanken ihr aufgeregtes Spiel unterbrechen und die Hand Ruhe findet, dann entsteht jener Zustand, aus dem heraus die meditativen Aquarelle des 1936 in Köln geborenen Joachim Bandau entstehen. Seit mehr als zwanzig Jahren übt der Bildhauer sich in diesem selbstauferlegten Malritual, das höchste Konzentration fordert, Selbstüberwindung, Disziplin, Vertrauen und Geduld kostet. Was dabei entsteht, ist das graphisch-malerische Werk eines dreidimensional denkenden Zeitgenossen, der innere Räume spiegelt, die sich neuerdings immer mehr auffächern und verschachteln. Bandau versteht es mit seinen Mitteln immer souveräner umzugehen und mit großer sinnlicher Aufmerksamkeit Bildräume von geradezu musikalischer Transparenz zu offenbaren.

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Black watercolor, aquarelle sur papier, 100 x 70 cm, 2012

Die härtesten Improvisationen Miles Davis können durchs Atelier schmettern, wenn Bandaus an seinen „Schwarzaquarelle“ arbeitet ist die innere Stärke unumstößlich. Abgetaucht in den malerischen Prozeß, kehrt er diesen zugleich um: Linien entstehen nicht als Flächenbegrenzung, sondern als Resultat eines aufgetragenen Farbfeldes. An den Rändern der mit breiten, japanischen Pinseln aufgetragenen Flächen, bilden sich scharfe Trocknungslinien als Pigmentstaus. So fein, daß der Betrachter meint, sie wären mit Bleistift gezogen. Durch das Aufeinandertreffen von nassen und trockenen Fläche und durch einen Pinselduktus, der weder zu sanft, noch zu kräftig sein darf, entstehen diese Linien ohne jedes äußere Hilfsmittel. Wo Fläche an Fläche stößt, oder die Schichtungen sich überlagern, auffächern und zu Romben verschachteln, öffnen sich in den jüngsten Arbeiten transparente Bildräume von eindeutig architektonischer Qualität: Gänge, Zellen, Kästen oder Wände, aber auch zeit-räumliche Abläufe eröffnen neue Assoziationsfelder.

Mit zunehmender Hingabe sucht Bandau jede Routine zu vermeiden. Pausen zwischen längeren Malphasen sind ihm ebenso wichtig, wie die Aktionen selbst. In einem Fluß und bis zur Erschöpfung arbeitet er jeweils an hellen und dunklen Reihen. Zwischen zwei bis drei Wochen und mehreren Monaten dauern solche Phasen, in seinen Ateliers in Aachen und Stäfa am Zürichsee. Nur grob plant er sein Thema. Klärt ob Schichtungen, Paarungen, Diagonalen, Reihungen, Spiegelungen untersucht werden sollen. Ist das einzelne Blatt einmal über neutralem Grund angelegt, malt es sich Schritt für Schritt fast wie von selbst. Nicht immer entsteht dabei, was gewollt war. So birgt der paradiesische Zustand höchster Konzentration auch Überraschungen, die sich aus der Arbeit ergeben. Dabei muß der Künstler sehr wach für die Dynamik des Geschehens bleiben. Fehler und Korrekturen sind kaum möglich. Er arbeitet umläufig, in dem er sich um den Maltisch herumbewegt und von allen Seiten gleichzeitig eingreift, wenn sich das Papier unter der nassen Farbschicht wölbt, „Seen“ und „Gebirge“ ausbildet. Durch Schwenken und Abtupfen überflüssiger Pigmentmengen dirigiert er den Farbfluß an die Ränder, wo jene harten Trockenlinien stehen bleiben, die den Bildraum teilen.

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Black watercolor, aquarelle sur papier, 100 x 70 cm, 2011

Jedes Feld gewinnt an Autonomie, indem es einzeln bearbeitet und trockengepresst wird. So erinnert der langwierige Vorgang aus Malen, Trocknen, Malen, Trocknen fast an empfindliche Lackarbeit. Zu den Herausforderungen im Malprozeß gehört ferner, das der Künstler auf die unterschiedlichen Beschaffenheiten des Papiers selbst eingeht. Einmal weist es Farbstiche auf, oder verfügt über kleinste Leimklumpen an der Oberfläche, die die aufgetragenen Pigmentschichten unterschiedlich aufnehmen, was zu Flecken- und Schlierenbildung führen kann, die der Künstler geschickt kaschiert.

Das meditative Arbeiten des Bildhauers als Maler, erfordert sehr viel Gespür und technisches Können. In jüngster Zeit haben Bandaus Blätter deutlich an Virtuosität gewonnen. Sie lassen Vorstellungen an Landschaften, Glaskörper und Raumschachtelungen zu, erinnern an Pavillons von Dan Graham oder Lampenobjekte von Jorge Pado.

Im Sommer 2004 entstanden in Zürich erste mehrteilige Aquarelle. Sie entwickeln sich parallel über vier bis fünf Blätter. Diagonal ragen Farbfelder über die Begrenzung des Blattes. Oder es bilden sich Blöcke, dunklen Fensteröffnungen gleich, an deren Rändern sich das letzte eingefallene Licht des Tages in diffus abgestuften Grauwerten unterschiedlich zu verteilen scheint. Das Prozesshafte des Vorgangs wird durch die auf mehrere Blätter in die Breite gezogene Bewegungsrichtung betont.

Jede dieser Arbeiten ist einzeln gerahmt. Sie können gedreht und unterschiedlich zugeordnet werden, so daß sich überraschende Spannungen zwischen den Elementen aufbauen. In diesen neuen Serien werden Abläufe sichtbar, die an Duchamps „Akt, die Treppe heruntersteigend“ von 1912 erinnern und das futuristische Repertoire der Italiener und Russen im frühen 20. Jahrhundert anklingen lassen, ohne es unmittelbar zu zitieren. Bandau bleibt jedoch, trotz entfernter Nähen zur modernen Kunstgeschichte, ganz bei sich. Als Bildhauer, der wie aus der Distanz ferner Bewußtseinsstufen Schatten und Objekte, Wände, Räume, Flure oder Fenster, grau in grau, befriedet und transparent wiedergibt. So liegt das Rätzelhafte und zugleich Überzeugende dieser neuen Aquarelle gerade in ihrer offenen Durchschaubarkeit.

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Bunker drawing, 1977, Pastel, crayon et photo sur papier, 175 x 100 cm, Pièce unique

Exposition à la Galerie Maubert :
La face cachée, Joachim Bandau
du 10 mars au 7 mai 2016
20 rue Saint-Gilles – 75003 Paris
T/ +33(0)1 44 78 01 79
galeriemaubert@galeriemaubert.com
www.galeriemaubert.com